DAX Open Interest: woher die Daten kommen und wie man sie liest
Open Interest zu DAX-Optionen ist frei verfügbar — die Eurex veröffentlicht es täglich selbst. Die Frage ist meist nicht, ob man drankommt, sondern in welcher Form: als Rohdatei je Kontrakt, als kostenpflichtiger Feed für eigene Berechnungen, oder fertig aufbereitet je Strike.
Die drei Wege, kurz
| Weg | Wofür | Kosten |
|---|---|---|
| Eurex-Tagesstatistik | Rohdaten je Kontrakt, End of Day, als CSV. Die Quelle selbst. | kostenlos |
| Datenfeed (z. B. dxFeed, IQFeed, die Broker-API) | Eigene Berechnungen, Intraday-Kette, Greeks | kostenpflichtig, teils Konto vorausgesetzt |
| Fertig aufbereitet | Verteilung je Strike ansehen, ohne selbst zu rechnen | kostenlos einsehbar |
Ein Punkt, der viel Geld spart: Open Interest ist eine Tageszahl. Die Eurex stellt sie einmal nach Handelsschluss fest. Ein Intraday-Feed liefert deshalb keinen „aktuelleren“ Open Interest — er liefert Volumen und Preise. Wer Open Interest lesen will, kommt mit den kostenlosen End-of-Day-Daten aus.
Was beim DAX anders ist als beim S&P 500
Die meisten Erklärungen zu Open Interest und Gamma stammen aus dem US-Markt. Vier Unterschiede machen die Übertragung still falsch:
Der Kontraktwert
Eine DAX-Option trägt 5 Euro je Indexpunkt. Eine SPX-Option trägt 100 US-Dollar je Indexpunkt. Wer Kontraktzahlen zwischen beiden Märkten vergleicht, vergleicht Größen, die um den Faktor 20 auseinanderliegen — vor jedem Währungseffekt.
Performance-Index statt Kursindex
Der DAX ist ein Performance-Index: Dividenden werden rechnerisch wieder angelegt. Der S&P 500 ist ein Kursindex. Das verändert die Bewertung von Optionen über die Laufzeit und damit auch, wo Bestand sinnvoll liegt. Faustregeln zur Dividendensaison lassen sich nicht übertragen.
Europäische Ausübung
DAX-Optionen sind europäisch: Ausübung nur am Verfallstag. Eine vorzeitige Zuteilung, die in US-Aktienoptionen eine reale Größe ist, gibt es hier nicht.
Die Abrechnung liegt mittags
Der Monatsverfall der ODAX wird aus der Xetra-Eröffnungsauktion ab 13:00 MEZ abgerechnet — nicht zum Handelsschluss. Wer auf einen Pinning-Effekt bis 17:30 wartet, wartet auf etwas, das mittags vorbei ist. Die täglich verfallenden ODAP rechnen dagegen um 17:30 MEZ ab.
Was Open Interest sagt — und was nicht
Open Interest ist die Zahl der Kontrakte, die am Ende des Handelstages offen sind. Es ist ein Bestandsmaß, kein Umsatzmaß: Open Interest steigt, wenn eine Position neu eröffnet wird, und fällt, wenn sie geschlossen wird. Volumen zählt dagegen jeden Handel, auch das bloße Weiterreichen.
Was daraus nicht folgt: Die Zahl sagt nicht, wer auf welcher Seite steht. Zu jedem offenen Kontrakt gehören ein Käufer und ein Verkäufer; welche Seite die Absicht hatte und welche nur bediente, steht nicht in den Daten. Ein hoher Bestand an Calls ist keine Aussage über die Richtung, und ein hoher Bestand an Puts ebenso wenig. Open Interest ist ein Kontextmaß dafür, wo viel Bestand liegt.
Brauchbar wird es genau dafür: Strikes mit großem Bestand sind die Stellen, an denen Absicherungsgeschäfte der Gegenseite anfallen, wenn der Kurs sie erreicht. Deshalb interessiert die Verteilung je Strike mehr als die Gesamtsumme.
Wie man die Verteilung praktisch liest
Nach Verfall trennen
Ein Bestand, der in drei Tagen ausläuft, wirkt anders als einer mit sechs Monaten Restlaufzeit. Eine Summe über alle Verfälle verwischt genau den Unterschied, auf den es ankommt.
Auf die Abstände achten, nicht auf die Höhe
Ein großer Bestand weit aus dem Geld ist in der Wirkung klein: Sein Delta ist niedrig, die Absicherung dazu entsprechend gering. Stückzahl und Wirkung sind zwei verschiedene Dinge.
Veränderung schlägt Stand
Interessanter als der absolute Bestand ist, was seit gestern dazugekommen oder abgebaut worden ist. Der Stand allein ist Geschichte; die Veränderung zeigt, wo gerade etwas passiert.
Der Verfall räumt auf
Am Verfallstag verschwindet der auslaufende Bestand aus dem Buch. Was danach übrig bleibt, kann ein völlig anderes Bild ergeben als der Tag davor — ohne dass sich der Kurs bewegt hätte.
Wo die Zahlen täglich stehen
Wir rechnen die ODAX-Kette börsentäglich durch und stellen die Verteilung je Strike offen ins Netz: DAX Open Interest je Strike, dazu die daraus abgeleiteten Marken unter DAX Gamma Levels und die Begriffe im Glossar. Kein Konto nötig, kein Feed nötig.
Für eigene Auswertungen bleibt der direkte Weg über die Eurex-Tagesstatistik der sauberste: dort steht die Quelle, unverändert und vollständig.
Häufige Fragen
Wie oft ändert sich Open Interest?
Einmal täglich. Die Feststellung erfolgt nach Handelsschluss durch die Eurex; untertägig verändert sich Volumen, nicht Open Interest.
Warum unterscheiden sich Zahlen zwischen Anbietern?
Meist wegen des Stichtags: Manche Darstellungen zeigen den Stand von gestern Abend, andere den nach der nächtlichen Verarbeitung. Auch die Frage, ob ODAP mitgezählt werden, macht einen Unterschied.
Kann ich daraus Gamma Exposure selbst rechnen?
Ja — man braucht Open Interest je Strike und Verfall, eine implizite Volatilität je Kontrakt und ein Bewertungsmodell. Was dabei herauskommt, hängt spürbar von den getroffenen Annahmen ab, vor allem von der unterstellten Verteilung zwischen Käufer- und Verkäuferseite. Der Hintergrund zum Verfallstagsdiagramm beschreibt, was solche Modelle zeigen und was nicht.
Open Interest je Strike, Gamma-Profil und die Tagesmarken — in der Beta auch intraday.
Intraday-Sicht und tägliches Briefing in der BetaDaten: Eurex