Delta ist die grundlegende Kennzahl aus der Optionswelt. Sie gibt an, wie viele Einheiten des Basiswerts eine Option nachbildet, und damit, wie stark sich ihr Preis bei einer Kursbewegung des Basiswerts ändert. Ein Delta von 0,5 bedeutet, dass die Option sich kurzfristig wie ein halber DAX-Future verhält.
Für die Absicherung ist Delta die zentrale Größe. Ein Market Maker, der eine Option gestellt hat, gleicht das Richtungsrisiko aus, indem er genau so viel Basiswert hält, wie das Delta vorgibt. Bewegt sich der Kurs, ändert sich das Delta, und die Absicherung muss nachgezogen werden.
Wie schnell sich das Delta ändert, beschreibt das Gamma. Genau daraus entsteht der Hedging-Bedarf, den das Gamma Exposure aufsummiert. Eine große Menge gleichgerichteten Deltas auf den Büchern der Absicherer zeigt, wo viel Basiswert zur Absicherung gehalten wird, und damit, wo der Kurs auf Widerstand oder Unterstützung treffen kann.
Delta beschreibt eine momentane Sensitivität, keine feste Eigenschaft. Es hängt von Kurs, Restlaufzeit und Volatilität ab und wird laufend neu bestimmt.
Delta ist die Groesse, die am Ende in den Markt uebersetzt wird. Alle anderen Griechen beschreiben, WIE sich das Delta veraendert: Gamma bei Kursbewegungen, Vanna bei Volatilitaetsbewegungen, Charm beim Verstreichen von Zeit. Wer eine Optionsposition neutralisiert, tut das durch Anpassung im Basiswert, und der Umfang dieser Anpassung ist ein Delta.
Beim DAX geschieht diese Anpassung praktisch nicht im Kassaindex, sondern im FDAX-Future. Ein Indexpunkt entspricht dabei einem festen Eurobetrag je Kontrakt, und die Umrechnung aus dem Optionsdelta in Futureskontrakte ist der eigentliche mechanische Schritt. Deshalb ist Absicherungsdruck im Terminmarkt frueher sichtbar als im Kassamarkt.
Zur haeufigen Kurzformel, Delta sei die Wahrscheinlichkeit, im Geld zu verfallen: das stimmt naeherungsweise und nur unter den Annahmen des Preismodells. Bei ausgepraegter Schiefe, wie sie im DAX dauerhaft besteht, weicht die Naeherung auf den beiden Seiten des Kursniveaus unterschiedlich stark ab. Als Faustregel ist sie brauchbar, als Wahrscheinlichkeitsaussage nicht.
Ein zweiter Punkt betrifft die Aggregation. Ein Gesamtdelta ueber alle offenen Kontrakte ist eine Summe ueber verschiedene Verfaelle, und die Restlaufzeit bestimmt, wie schnell sich dieses Delta aendert. Zwei Bestaende mit identischem Gesamtdelta koennen sich vollstaendig verschieden verhalten, wenn der eine auf kurzlaufenden und der andere auf langlaufenden Serien liegt.
Deshalb ist das Delta allein nie die ganze Auskunft. Es sagt, wie viel Basiswert gerade zur Neutralisierung noetig waere, und nicht, wie stark sich dieser Bedarf bei der naechsten Bewegung aendert. Genau das ist die Frage, die das Gamma beantwortet, und sie ist fuer die Marktwirkung meist die wichtigere; wie das Cockpit daraus konkrete Kurslevels rechnet, steht unter Gamma Exposure.
Live-Levels, Marktmodus und Absicherungsdruck in Echtzeit, aus echten Eurex-ODAX-Optionsdaten.
Cockpit ansehen →