Vanna ist eine Kennzahl zweiter Ordnung aus der Optionswelt. Sie misst, wie sich das Delta einer Option ändert, wenn die implizite Volatilität steigt oder fällt. Gleichbedeutend beschreibt Vanna, wie sich das Vega ändert, wenn sich der Kurs des Basiswerts bewegt.
Delta sagt, wie viele Einheiten des Basiswerts eine Option nachbildet. Vanna zeigt, dass dieses Delta nicht nur von der Kursbewegung abhängt, sondern auch von der Volatilität. Zieht die implizite Volatilität an, verschiebt sich das Delta vieler Optionen, und die Absicherer müssen ihre Position im Basiswert nachziehen, obwohl sich der Kurs selbst kaum bewegt hat.
In ruhigen Phasen ist der Effekt klein. Springt die Volatilität aber, etwa vor Notenbankterminen oder in einem Rücksetzer, können Vanna-getriebene Absicherungsströme die Kursbewegung zusätzlich verstärken. Das DAX Gamma Cockpit berechnet Vanna neben dem Gamma. Wenn beide in unterschiedliche Richtungen zeigen, ist Vorsicht bei der Positionsgröße angebracht, weil sich die Absicherungsrichtung weniger eindeutig lesen lässt.
Wie bei allen abgeleiteten Größen gilt: Vanna beruht auf einer Schätzung der Positionierung, nicht auf einer gemessenen Größe. Sie ist eine zusätzliche Linse, keine Gewissheit.
Vanna beschreibt, wie sich das Delta einer Option aendert, wenn sich die implizite Volatilitaet aendert. Damit ist es die Groesse, die den Optionsmarkt und den Volatilitaetsmarkt aneinanderkoppelt: eine Bewegung im VDAX veraendert die Absicherungsposition, ohne dass sich der DAX selbst bewegt haben muss.
Das ist der Grund, warum ruhige Tage mit deutlich veraenderter Volatilitaet Absicherungsanpassungen ausloesen koennen, die im Kursbild zunaechst unerklaerlich wirken. Die Ursache liegt dann nicht im Index, sondern in der Preisstellung der Optionen darauf.
Beim DAX kommt eine Besonderheit hinzu. Die Schiefe der impliziten Volatilitaet ist im europaeischen Indexmarkt ausgepraegt: Absicherung nach unten ist strukturell teurer als Optionalitaet nach oben, weil die Nachfrage danach dauerhaft besteht. Vanna ist deshalb ueber die Strikes hinweg nicht symmetrisch verteilt, und eine Bewegung der Volatilitaet wirkt sich auf beiden Seiten des Kursniveaus unterschiedlich stark aus.
Was Vanna nicht ist: eine Groesse, die man aus veroeffentlichten Daten direkt ablesen kann. Sie folgt aus einem Optionspreismodell, und verschiedene Modelle liefern verschiedene Werte. Aussagekraeftig ist die Verteilung ueber die Strikes, nicht der Betrag an einer einzelnen Stelle. Die zeitliche Entsprechung dazu ist Charm.
Praktisch am wichtigsten ist die Kopplung selbst. Sie erklaert, warum sich Absicherungsbedarf an Tagen ohne nennenswerte Kursbewegung veraendern kann, und sie erklaert, warum Bewegungen der impliziten Volatilitaet und des Index sich gegenseitig verstaerken koennen: eine Kursbewegung veraendert die Volatilitaet, die veraenderte Volatilitaet veraendert ueber Vanna die Absicherungsposition, deren Anpassung wiederum auf den Kurs wirkt. Diese Kette ist im DAX vorhanden, aber sie ist keine Einbahnstrasse und laesst sich aus den Bestandsdaten allein nicht in ihrer Staerke beziffern.
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