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Glossar

Was ist die erwartete Bewegung?

Die erwartete Bewegung ist die aus der impliziten Volatilität abgeleitete Spanne, in der ein Kurs über einen bestimmten Zeitraum voraussichtlich bleibt. Sie entspricht einer Standardabweichung, in der der Kurs mit rund zwei Dritteln Wahrscheinlichkeit schließt.

Berechnet wird sie aus dem Kurs, der impliziten Volatilität und der Restzeit. Für die eingepreiste Tagesbewegung gibt es eine schnelle Näherung: die implizite Volatilität geteilt durch sechzehn ergibt grob die erwartete Tagesbewegung in Prozent. Eine Volatilität von 16 Prozent entspricht damit etwa einem Prozent pro Tag.

Wozu die Zahl dient

Die erwartete Bewegung sagt nichts über die Richtung, nur über die Größe. Sie ist ein schneller Abgleich, ob die Distanz zum Deckel oder zum Boden innerhalb der statistisch erwarteten Tagesspanne liegt. Liegt ein Level weit außerhalb, ist es an einem ruhigen Tag schwerer erreichbar.

Die erwartete Bewegung ist eine Wahrscheinlichkeitsaussage, keine Grenze. Der Kurs kann die Spanne verlassen, besonders an ereignisreichen Tagen.

Eine Preisangabe, keine Vorhersage

Der Expected Move rechnet Optionspreise in Punkte um. Er sagt damit, welche Schwankungsbreite der Markt aktuell bepreist, und nichts darueber, was eintritt. Diese Unterscheidung geht in der Praxis oft verloren, weil das Ergebnis wie eine Vorhersage aussieht.

Technisch beruht die Kennzahl auf dem Preis der Strukturen am Geld, siehe Straddle und Strangle. Sie ist damit so gut wie die Bepreisung dieser Optionen und traegt deren gesamte Modellabhaengigkeit mit.

Beim DAX kommen zwei Besonderheiten hinzu. Erstens die Bezugsgroesse: Optionen werden gegen den Terminpreis bepreist, nicht gegen den Indexstand, siehe Moneyness. Eine um den Kassastand herum gelegte Spanne verschiebt sich deshalb leicht gegenueber der, die aus den Optionspreisen folgt. Zweitens der Verfallszeitpunkt: die Abrechnung am Monatsverfall entsteht mittags aus der Xetra-Auktion, nicht aus dem Schlusskurs. Die Restlaufzeit, die in die Rechnung eingeht, ist an diesem Tag also ein halber Handelstag kuerzer, als der Kalender nahelegt.

Und die statistische Einschraenkung, die immer gilt: die Spanne beschreibt eine Breite, keine Grenze. Ein Verlassen dieser Spanne ist keine Ausnahme vom Modell, sondern im Modell enthalten.

Fuer die Darstellung folgt daraus, dass eine solche Spanne immer mit ihrem Bezugszeitraum genannt gehoert. Eine Spanne bis zum naechsten Tagesverfall und eine bis zum Monatsverfall sind verschiedene Groessen, auch wenn beide in Punkten angegeben sind. Und weil die Rechnung auf den Optionen am Geld beruht, wandert ihr Bezugspunkt mit dem Kursniveau. Zwei Messungen an verschiedenen Tagen beziehen sich damit nicht auf denselben Strike, und dieselbe Modellabhaengigkeit traegt die zugrundeliegende implizite Volatilitaet mit.

Verwandte Begriffe
Implizite Volatilität (VDAX)Straddle und StrangleTerminstruktur der VolatilitätImpliziter Skew (Skew-Exposure)
In der Praxis
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