Jede Optionsposition mit mehreren Legs auf verschiedenen Ausübungspreisen trägt eine Skew-Exposure. Sie beschreibt, wie sich der Wert der Position ändert, wenn sich nicht das allgemeine Volatilitätsniveau, sondern die Form des Skews verschiebt.
Der Grund liegt im Vega der einzelnen Legs. Ein gekauftes und ein verkauftes Leg auf unterschiedlichen Strikes reagieren verschieden auf eine Formänderung des Skews. Selbst wenn die Volatilität am Geld unverändert bleibt, ist die Summe der Vega-Effekte über alle Strikes ungleich null.
Ein Vertical Spread oder ein Iron Condor gewinnt oder verliert deshalb nicht nur über das Volatilitätsniveau am Geld, sondern auch über die Veränderung der Skew-Form. Das erklärt, warum eine solche Position sich bewegt, obwohl die naheliegende Kennzahl, die Volatilität am Geld, stillsteht.
Wer Spreads und Condors handelt, sollte die Skew-Exposure mitdenken, nicht nur das Vega am Geld. Sie ist der Grund für scheinbar unerklärliche Schwankungen im Positionswert.
Der Implied Skew fasst die Schiefe in eine Zahl. Damit wird der entscheidende Schritt moeglich, den die blosse Feststellung einer Schiefe nicht erlaubt: der Vergleich ueber die Zeit.
Denn im europaeischen Indexmarkt ist die Schiefe ein Dauerzustand. Ihr Vorhandensein ist keine Information. Erst wenn man den heutigen Wert gegen das eigene historische Niveau haelt, entsteht eine Aussage. Eine Kennzahl ohne diese Historie ist nicht lesbar, egal wie praezise sie berechnet ist.
Zwei technische Punkte gehoeren dazu. Erstens die Wahl der Bezugsstrikes: ueblich ist gleiches Delta auf beiden Seiten, nicht gleicher Abstand zum Kurs. Weil das Delta selbst von der Volatilitaet abhaengt, wandern diese Strikes mit der Marktlage. Zweitens die Laufzeit: die Schiefe faellt bei kurzen Restlaufzeiten anders aus als bei langen, siehe Terminstruktur. Ein Vergleich ueber die Zeit muss die Restlaufzeit konstant halten, sonst misst er den Verfallskalender statt der Marktlage.
Fuer die Darstellung folgt daraus eine Anforderung an die Datenhaltung: ohne gespeicherte Historie ist die Kennzahl nicht lesbar. Das Cockpit fuehrt deshalb die Verlaeufe mit, statt nur den Tageswert zu zeigen.
Ein zweiter Punkt betrifft die Datenlage an den Bezugsstrikes. Sie liegen ausserhalb des Geldes, wo der ODAX duenner gehandelt ist als am Geld. Die Kennzahl ist damit belastbarer als eine reine Randbetrachtung, aber weniger belastbar als eine Groesse am Geld, siehe Tail Risk. In sehr ruhigen Phasen stammt ein Teil des Werts eher aus der Interpolation des Modells als aus tatsaechlichen Umsaetzen.
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