Die Terminstruktur ist die implizite Volatilität, aufgetragen über verschiedene Verfallstermine. Sie zeigt, ob der Markt kurzfristig oder auf längere Sicht mehr Bewegung einpreist.
Im Normalzustand steigt die Kurve leicht an, weil über längere Zeiträume mehr Unsicherheit besteht. Diese Form heißt Contango. Liegt die kurzfristige Volatilität über der längerfristigen, spricht man von Backwardation. Das ist ein Zeichen für akuten kurzfristigen Stress und tritt oft rund um Notenbanktermine oder in Marktkorrekturen auf.
Änderungen der Kurvenform gehen Stimmungswechseln oft voraus. Springt die kurzfristige Volatilität nach oben, drängt Absicherungsnachfrage in die vorderen Verfallstermine, noch bevor sich das deutlich im Kurs zeigt. Für den DAX lassen sich diese Termine über die ODAX-Verfälle ablesen. Wer zwei Laufzeiten vergleichen will, sollte nicht die rohen Werte nebeneinanderstellen, sondern über die Varianz die Forward-Volatilität bestimmen.
Die Terminstruktur beschreibt Erwartungen, keine Gewissheit. Sie zeigt, was der Markt einpreist, nicht, was eintreten wird.
Die Terminstruktur beschreibt, wie sich die implizite Volatilitaet ueber die Laufzeiten verteilt. Im DAX-Optionsmarkt ist diese Kurve nicht glatt, sondern hat wiederkehrende Knicke an Stellen, die im Kalender stehen und nicht im Markt.
Der wichtigste liegt am dritten Freitag jedes Monats. Weil sich der Bestand dort buendelt, ist die Liquiditaet in diesen Serien deutlich hoeher als in den Wochen dazwischen, und die Preisstellung entsprechend enger. Serien kurz vor und kurz nach einem Monatsverfall sind damit nur eingeschraenkt vergleichbar. Weitere Knicke entstehen um Quartalsverfaelle, um EZB-Termine und um die Berichtssaison der Indexschwergewichte.
Praktisch heisst das: eine Aussage ueber die Terminstruktur ist nur dann eine Aussage ueber den Markt, wenn man die Kalendereffekte herausrechnet. Sonst misst man die Verteilung der Verfallstermine. Der VDAX-NEW umgeht das, indem er auf eine feste Restlaufzeit von 30 Tagen interpoliert; damit ist er ueber die Zeit vergleichbar, verliert aber gerade die Struktur, um die es hier geht. Wie sich die Kurve ueber die Strikes hinweg verhaelt, beschreibt Volatility Skew.
Ein zweiter Punkt betrifft die Datenlage. Ferne Verfaelle im ODAX sind deutlich duenner gehandelt als nahe. Die abgeleitete Volatilitaet stammt dort haeufiger aus der Interpolation als aus tatsaechlichen Umsaetzen, und die Kurve ist an ihrem langen Ende entsprechend weicher. Wer eine Aussage ueber die Terminstruktur auf das ferne Ende stuetzt, stuetzt sie auf den am wenigsten belastbaren Teil der Daten. Dieselbe Einschraenkung gilt fuer die Randstrikes, siehe Tail Risk.
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