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Glossar

Was ist implizite Volatilität?

Implizite Volatilität ist die Schwankung, die der Optionsmarkt für die Zukunft erwartet und die bereits in den Optionspreisen steckt. Sie lässt sich nicht direkt beobachten, sondern wird aus den Preisen zurückgerechnet, indem ein Optionspreismodell so lange angepasst wird, bis Modell- und Marktpreis übereinstimmen.

Für den DAX bündelt der VDAX diese Erwartung in einem Index, ähnlich wie der VIX für den S&P 500. Ein hoher VDAX bedeutet, dass der Markt größere Schwankungen einpreist, ein niedriger das Gegenteil.

Wie implizite Volatilität in die Levels einfließt

Die implizite Volatilität ist der Ausgangspunkt der Berechnung. Das DAX Gamma Cockpit bestimmt sie für jeden Strike aus den Eurex-Settlement-Preisen und leitet daraus die Griechen und die Gamma-Landschaft ab. Steigt die implizite Volatilität, weiten sich die erwarteten Spannen, und die Levels rücken auseinander.

Implizite Volatilität ist eine Markterwartung, kein Versprechen. Sie sagt, womit der Markt rechnet, nicht, was eintreten wird.

Ein Preis, kein Messwert

Die implizite Volatilitaet ist keine beobachtete Groesse, sondern eine rueckgerechnete: man nimmt den gehandelten Optionspreis, setzt ihn in ein Preismodell ein und loest nach der Volatilitaet auf. Was herauskommt, haengt damit am Modell. Bei europaeischen ODAX-Optionen ist diese Rechnung vergleichsweise sauber, weil es keine vorzeitige Ausuebung gibt, aber sie bleibt eine Umkehrung, keine Messung.

Praktisch folgt daraus, dass es nicht die eine implizite Volatilitaet gibt. Jeder Strike und jede Laufzeit hat eine eigene, und die Unterschiede zwischen ihnen sind die eigentliche Information (siehe Volatility Skew). Der VDAX-NEW verdichtet das auf eine Zahl fuer 30 Tage. Diese Zahl ist nuetzlich als Niveauangabe und ungeeignet, sobald es um einzelne Strikes geht.

Der zweite Punkt betrifft den Vergleich mit der tatsaechlichen Schwankung. Implizite Volatilitaet und realisierte Volatilitaet sind verschiedene Dinge, und die Differenz ist ueber lange Zeitraeume systematisch: bezahlt wird in aller Regel mehr, als sich hinterher einstellt. Das ist die Praemie fuer die Uebernahme des Risikos und kein Fehler in der Bepreisung. Wie diese Praemie sich als Kennzahl fassen laesst, steht unter Expected Variance.

Fuer die praktische Auswertung heisst das dreierlei. Erstens ist jede abgeleitete Groesse, also alle Griechen, ebenso modellabhaengig wie die Volatilitaet selbst. Zweitens ist der Vergleich ueber die Zeit nur bei konstant gehaltener Restlaufzeit sinnvoll, sonst misst man den Verfallskalender mit. Und drittens ist eine implizite Volatilitaet an einem Strike ohne Umsatz eher eine Interpolation des Modells als eine Angabe des Marktes, was besonders in den Randbereichen zaehlt, siehe Tail Risk.

Verwandte Begriffe
Volatility SkewGamma Exposure (GEX)VannaVegaMoneynessStraddle und Strangle
In der Praxis
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