Bei einem Straddle werden ein Call und ein Put mit demselben Ausübungspreis und Verfall kombiniert. Bei einem Strangle liegen die beiden Strikes auseinander, meist beide aus dem Geld. Ansonsten ist der Aufbau gleich.
Ein gekaufter Straddle oder Strangle gewinnt an Wert, wenn sich der Kurs stark bewegt, egal in welche Richtung; er ist eine Long-Volatilitäts-Position. Verkauft man ihn, profitiert man von einem ruhigen Markt, trägt aber das Risiko großer Bewegungen.
Der Preis dieser Kombinationen spiegelt unmittelbar die implizite Volatilität. Hohe implizite Volatilität macht sie teuer, niedrige günstig. Damit sind sie ein direkter Ausdruck dessen, welche Bewegung der Markt einpreist.
Dies ist eine Begriffserklärung, keine Handelsempfehlung.
Straddle und Strangle buendeln Optionalitaet ohne Richtungsbezug. Fuer den Optionsmarkt hat das eine Folge, die ueber die einzelne Position hinausgeht: solche Strukturen sind der groesste einzelne Nachfrageblock nach Vega im Markt, und ihre Auf- und Abbauzyklen bewegen die implizite Volatilitaet spuerbar.
Im DAX-Umfeld haengt das an wiederkehrenden Terminen. Vor Quartalszahlen der Indexschwergewichte, vor Zinsentscheidungen der EZB und vor dem Monatsverfall entsteht regelmaessig Nachfrage; danach loest sie sich auf. Die Bewegung der impliziten Volatilitaet um solche Termine herum ist damit teilweise ein Effekt der Positionierung und nicht der Erwartung.
Der zweite Punkt: der Preis dieser Strukturen ist die direkteste marktseitige Angabe darueber, welche Schwankungsbreite bis zum Verfall eingepreist ist. Genau darauf beruht die Kennzahl Expected Move. Sie ist damit keine unabhaengige Vorhersage, sondern eine Umrechnung von Optionspreisen in Punkte. Was sie beschreibt, ist eine Preisangabe des Marktes und keine Aussage darueber, was eintritt.
Fuer den DAX kommt die Strike-Architektur hinzu. Ein Straddle liegt auf einem einzigen Strike, ein Strangle auf zweien, und weil die Eurex Strikes in festen Abstaenden auflegt, sind die moeglichen Abstaende eines Strangles vorgegeben. Das ist der Grund, warum sich Bestaende aus solchen Strukturen im Diagramm als symmetrische Paare um das Kursniveau zeigen.
Fuer die Auswertung heisst das dasselbe wie bei allen mehrteiligen Strukturen: aus der Verteilung allein laesst sich die Position nicht rekonstruieren. Ein Strike mit grossem Bestand kann das Zentrum eines Straddles sein oder eine gerichtete Position, und die Absicherungswirkung unterscheidet sich in beiden Faellen erheblich. Was das Cockpit daraus rechnet, ist die Wirkung unter der offen ausgewiesenen Annahme zur Positionierung, nicht eine Aussage ueber die Position selbst. Dieselbe Einschraenkung gilt fuer vierteilige Strukturen wie den Iron Condor.
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