Die implizite Korrelation misst, wie eng sich einzelne Aktien relativ zum Index bewegen, abgeleitet aus den Optionspreisen. Sie zeigt, ob einzelne Titel von breiten Marktkräften oder von ihrer eigenen Positionierung getrieben werden. Eine gebräuchliche Variante ist die Ein-Monats-Korrelation.
Ist die Korrelation niedrig, handeln Einzelwerte unabhängig, und optionsgetriebene Hedging-Flows prägen die einzelnen Namen stärker. Dann sind gamma-basierte Levels auf Einzelwert-Ebene am verlässlichsten. Ist die Korrelation hoch, läuft alles im Gleichschritt, typisch bei makro-getriebenem Verkauf, und einzelne Levels treten in den Hintergrund.
Der Dispersion-Trade nutzt das Verhältnis von Index-Volatilität zu Einzelwert-Volatilität, klassisch verkauft man die Index-Volatilität und kauft die der Einzelwerte, wenn die Korrelation niedrig ist. Für den DAX mit seiner überschaubaren Zahl an Werten ist ein solcher Trade dünner und schwerer umsetzbar als auf den großen, tiefen US-Indizes. Als Regime-Kontext bleibt die Korrelation aber nützlich: Bei niedriger Korrelation greift das Gamma-Framework sauber, bei Korrelationsspitzen verliert der einzelne Level an Gewicht.
Die implizite Korrelation ist ein Kontextmaß, kein direktes Handelssignal.
Die Volatilitaet eines Index ist nicht die Summe der Volatilitaeten seiner Bestandteile. Sie haengt daran, wie stark sich diese Bestandteile gemeinsam bewegen. Bewegen sie sich gleichlaeufig, schlaegt ihre Schwankung voll auf den Index durch; bewegen sie sich unabhaengig voneinander, gleichen sie sich teilweise aus.
Beim DAX ist dieser Effekt ausgepraegter als bei breiteren Indizes, und der Grund ist die Zahl der Werte. Bei 40 Titeln gegenueber 500 im S&P 500 ist die Streuung geringer, und einzelne Schwergewichte praegen den Index staerker. Eine Nachricht zu einem einzigen grossen Titel kann die Indexvolatilitaet sichtbar bewegen, ohne dass sich am Gesamtmarkt etwas geaendert haette.
Fuer Optionskennzahlen hat das eine Folge, die leicht uebersehen wird: eine erhoehte implizite Volatilitaet auf den Index kann aus hoeherer Einzelwertschwankung stammen oder aus staerkerem Gleichlauf. Beides sieht in der Zahl gleich aus und bedeutet Verschiedenes. Besonders in Phasen erhoehten Randrisikos steigen Gleichlauf und Indexvolatilitaet gemeinsam, siehe Tail Risk, weshalb die Diversifikation dann am wenigsten traegt.
Fuer die Auswertung von Optionsbestaenden folgt daraus eine Einschraenkung, die selten genannt wird: Kennzahlen aus Indexoptionen beschreiben das Verhalten des Index, nicht das seiner Bestandteile. Ein Index kann ruhig bleiben, waehrend sich seine Werte kraeftig gegeneinander bewegen. Absicherungsdruck aus Indexoptionen entsteht in diesem Fall trotzdem nur am Index selbst, weil dort abgesichert wird, siehe Dealer-Hedging. Die Bewegung der Einzelwerte laeuft daneben und ist in den Indexkennzahlen nicht enthalten.
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