Tail Risk ist das Risiko seltener, aber sehr großer Kursbewegungen, die in den äußeren Rändern der Wahrscheinlichkeitsverteilung liegen. Solche Ereignisse treten selten ein, haben aber große Wirkung.
Reale Märkte weisen dickere Ränder auf, als eine einfache Normalverteilung annimmt. Große Ausschläge kommen häufiger vor, als ein Standardmodell vorhersagt. Genau das erklärt, warum Absicherung nach unten dauerhaft gefragt und teurer ist: Anleger sind meist auf steigende Kurse ausgerichtet und zahlen laufend für den Schutz gegen scharfe Rückgänge.
Diese dauerhafte Nachfrage nach Abwärtsschutz zeigt sich im Volatility Skew, der für Puts unter dem Kurs eine höhere implizite Volatilität ausweist. Ein steiler werdender Skew ist ein Hinweis darauf, dass der Markt das Tail Risk gerade höher bewertet, oft bevor es sich im Kurs zeigt.
Tail Risk lässt sich nicht vorhersagen, nur einordnen. Es ist der Grund, warum Positionen mit begrenztem Risiko solchen mit offenem Verlust oft vorzuziehen sind.
Kennzahlen zum Randrisiko stuetzen sich auf Optionen weit ausserhalb des Geldes. Genau dort ist die Datenlage im ODAX am duennsten: wenige offene Kontrakte, weite Geld-Brief-Spannen, an manchen Tagen gar kein Umsatz. Die implizite Volatilitaet an diesen Strikes ist deshalb mit deutlich groesserer Unsicherheit behaftet als am Geld.
Das hat eine unangenehme Eigenschaft: die Kennzahl ist genau dann am unzuverlaessigsten, wenn sie am interessantesten waere. In ruhigen Phasen handelt kaum jemand die aeusseren Strikes, und der abgeleitete Wert stammt dann eher aus der Interpolation des Modells als aus dem Markt.
Der zweite Punkt betrifft die Asymmetrie. Im europaeischen Indexmarkt besteht dauerhafte Nachfrage nach Absicherung nach unten, siehe Volatility Skew. Ein erhoehter Preis fuer Randabsicherung ist damit der Normalzustand und keine Aussage. Interpretierbar ist erst die Abweichung von diesem eigenen Normalniveau, und die braucht eine Historie, gegen die man sie haelt. Wie sich Randrisiko und Korrelation gegenseitig bedingen, beschreibt Korrelation und Dispersion.
Fuer die Darstellung folgt daraus eine Zurueckhaltung, die das Cockpit bewusst einhaelt: Randkennzahlen werden mit ihrer Datenbasis ausgewiesen und nicht als praezise Zahlen behandelt. Eine implizite Volatilitaet an einem Strike ohne Umsatz ist eine Modellangabe, keine Marktangabe, und beides in derselben Tabelle nebeneinanderzustellen, ohne den Unterschied zu nennen, waere irrefuehrend.
Und eine begriffliche Abgrenzung: Randrisiko beschreibt die Bepreisung seltener grosser Bewegungen, nicht deren Wahrscheinlichkeit. Was der Markt fuer Absicherung verlangt, und was tatsaechlich eintritt, sind zwei verschiedene Groessen, siehe Expected Variance.
Live-Levels, Marktmodus und Absicherungsdruck in Echtzeit, aus echten Eurex-ODAX-Optionsdaten.
Cockpit ansehen →