Das Gamma-Regime beschreibt, wie sich der Markt aufgrund der Optionsabsicherung verhält. Es gibt zwei Zustände. Welcher gilt, entscheidet sich am Wendepunkt, dem Kurs, an dem das Gamma-Vorzeichen kippt. Dieser Artikel geht nicht auf die Grenze selbst ein, sondern darauf, was die beiden Zustände praktisch für den Kursverlauf bedeuten.
Im positiven Regime läuft die Absicherung gegen die Bewegung. Steigt der DAX, verkaufen die Absicherer, fällt er, kaufen sie. Das dämpft Schwankungen. Kurse pendeln eher in einer Spanne, Rücksetzer werden aufgefangen, und Ausbrüche haben es schwer, Fahrt aufzunehmen. Für den Handel bedeutet das, dass Bewegungen an den Rändern der Spanne häufiger umkehren als durchbrechen.
Im negativen Regime läuft die Absicherung mit der Bewegung. Fällt der DAX, verkaufen die Absicherer zusätzlich, was den Fall verstärkt. Steigt er, kaufen sie nach. Kurse neigen dann zu Trends und schärferen Ausschlägen, und dieselbe Nachricht bewegt den Markt stärker als im positiven Regime.
Ein Hinweis zur Einordnung: Welches Regime gilt und wie deutlich es sich zeigt, folgt aus einer Schätzung der Positionierung, nicht aus einer gemessenen Größe. Die beschriebenen Muster sind Tendenzen, keine Regeln. Auch im positiven Regime kann der Markt kräftig ausbrechen, wenn ein starker Impuls von außen kommt.
Der Marktmodus beschreibt, in welche Richtung die laufende Absicherung wirkt: gegen die Bewegung oder mit ihr. Er beschreibt damit die erwartete SCHWANKUNGSCHARAKTERISTIK, nicht die Richtung. Das ist die Unterscheidung, an der die meisten uebertragenen US-Faustregeln scheitern, weil sie beides vermengen.
Zweitens ist der Modus keine Eigenschaft des Marktes, sondern eine Eigenschaft der Rechnung an einem Stichtag. Er folgt aus dem Vorzeichen des aggregierten Gamma Exposure unter der Modellannahme zur Positionierung. Faellt diese Annahme in einer Phase schlecht aus, faellt der Modus mit ihr.
Drittens die Uebergaenge. Ein Wechsel des Modus ist im ODAX selten ein sanftes Gleiten. Weil sich der Bestand stark auf einzelne Verfaelle und wenige Strikes konzentriert, kann das Vorzeichen ueber Nacht kippen, wenn eine dominierende Serie ausgelaufen ist oder umgeschichtet wurde. Direkt nach dem Monatsverfall am dritten Freitag ist die Rechnung deshalb regelmaessig eine andere als davor, ohne dass sich am Kursbild etwas geaendert haette. Wer den Modus ueber einen solchen Stichtag hinweg fortschreibt, schreibt eine Zahl fort, deren Grundlage nicht mehr existiert. Wo genau die Grenze zwischen den beiden Zustaenden liegt, beschreibt Zero Gamma.
Zur Einordnung gehoert schliesslich, dass der Modus eine Aussage ueber die Absicherungsmechanik ist und nicht ueber alles andere, was den Markt bewegt. Nachrichten, Zinsentscheidungen und Umschichtungen grosser Adressen wirken unabhaengig davon. Der Modus beschreibt, wie sich eine gegebene Bewegung im Markt fortsetzt, nicht ob und warum sie entsteht. Wer ihn als Beschreibung des gesamten Marktgeschehens liest, erwartet von einer Kennzahl aus Optionsbestaenden eine Auskunft, die sie nicht geben kann. Die im Aktienmarkt gebraeuchliche, dramatischere Beschreibung desselben Zustands ist der Gamma Squeeze.
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