Theta misst, wie viel Wert eine Option pro Tag allein durch den Zeitablauf verliert, wenn Kurs und Volatilität gleich bleiben. Man spricht auch vom Zeitwertverfall.
Der Verfall beschleunigt sich, je näher der Verfallstag rückt, besonders bei Optionen am Geld. Wer Optionen verkauft, vereinnahmt Theta; wer sie kauft, zahlt es.
Bei sehr kurzlaufenden Optionen, etwa täglichen ODAX-Kontrakten, ist Theta groß und stark gebündelt. Das ist einer der Gründe, warum Positionierung und Absicherung rund um den Verfall so zeitkritisch sind.
Theta ist ein mechanischer, bekannter Effekt, wirkt aber immer zusammen mit Kurs- und Volatilitätsbewegungen.
Zeitwertverfall klingt nach einer gleichmaessigen Bewegung, verlaeuft im ODAX aber in Stufen. Das liegt an drei Dingen, die alle mit der Kontraktarchitektur zu tun haben und nicht mit dem Marktgeschehen.
Erstens das Wochenende. Von Freitagabend bis Montagfruh verstreichen drei Kalendertage, an denen nicht gehandelt wird. Der rechnerische Zeitwertverlust dieser Tage ist trotzdem angefallen und erscheint gebuendelt am Montag. Die zeitliche Entsprechung auf der Absicherungsseite ist Charm.
Zweitens der Abrechnungszeitpunkt am Monatsverfall. Weil die Abrechnung aus der Xetra-Auktion ab 13:00 MEZ entsteht und nicht aus dem Schlusskurs, endet die Restlaufzeit der auslaufenden Serie mittags. Der letzte halbe Handelstag existiert fuer sie nicht mehr, siehe ODAX-Verfall.
Drittens Feiertage. Der deutsche Kalender unterscheidet sich vom amerikanischen, und Bruecken um Ostern, Pfingsten und den Jahreswechsel schieben mehrere handelsfreie Tage zusammen. Uebertragene US-Faustregeln zum Zeitwertverfall liegen an diesen Stellen regelmaessig daneben.
Und die Abgrenzung, die den Begriff oft verwaessert: Theta beschreibt, was bei UNVERAENDERTEM Kurs und unveraenderter Volatilitaet passiert. Diese Bedingung ist an einem Handelstag die Ausnahme. Die Groesse ist dadurch nicht falsch, aber sie beschreibt einen Anteil und nicht das Ergebnis.
Fuer die Auswertung folgt daraus, dass der Zeitwertverfall im ODAX kein glatter Verlauf ist, den man ueber Kalendertage mitteln koennte, sondern eine Folge von Stufen an vorhersehbaren Stellen. Die Stellen stehen im Handelskalender der Eurex und im deutschen Feiertagskalender, nicht im Marktgeschehen. Wer die Restlaufzeit in Kalendertagen rechnet statt in Handelstagen, erhaelt an genau diesen Stellen systematisch falsche Werte, und zwar immer in dieselbe Richtung. Das Cockpit rechnet Verfallstags-Abstaende deshalb in Handelstagen und nicht in Kalendertagen. Die einfache Merkregel bleibt davon unberuehrt: der Zeitwert schwindet, und er schwindet gegen Ende schneller. Falsch wird sie erst, wenn man aus ihr einen gleichmaessigen Tagesbetrag ableitet.
Live-Levels, Marktmodus und Absicherungsdruck in Echtzeit, aus echten Eurex-ODAX-Optionsdaten.
Cockpit ansehen →