Ein Gamma Squeeze ist eine schnelle, sich selbst verstärkende Aufwärtsbewegung. Sie wird nicht von Fundamentaldaten getrieben, sondern von der erzwungenen Absicherung der Optionshändler, die viele Calls verkauft haben und bei steigendem Kurs immer mehr Basiswert kaufen müssen.
Der Kreislauf startet mit einer hohen Call-Konzentration an nahen Strikes, die die Absicherer in eine große Short-Gamma-Position drängt. Hebt ein beliebiger Auslöser den Kurs Richtung dieser Strikes, wächst deren Delta schnell, und die Händler kaufen aggressiv nach. Dieses Kaufen treibt genau die Bewegung, die es ausgelöst hat.
Ein Gamma Squeeze lebt vom fortlaufenden Zufluss neuer Nachfrage und vom steigenden Kurs. Sind die Absicherungen vollständig, der Kurs weit über den Strikes und fällt die Volatilität, verschwindet der Kaufdruck, und dieselbe Mechanik kann rückwärts laufen. Vom Short Squeeze, bei dem Leerverkäufer eindecken, ist er zu unterscheiden, auch wenn beide zusammenfallen können.
Ein Gamma Squeeze ist ein Merkmal des negativen, verstärkenden Regimes. Er ist nicht prognostizierbar und kann abrupt kippen, weshalb ein später Einstieg bei hoher Volatilität den Doppelschlag aus Kursumkehr und fallender Volatilität riskiert.
Der Begriff stammt aus dem Aktienmarkt, wo er einen sich selbst verstaerkenden Ablauf beschreibt: Absicherung erzeugt Nachfrage, Nachfrage bewegt den Kurs, die Bewegung erzeugt weitere Absicherung. Auf einen Index uebertragen ist dieser Ablauf deutlich schwerer, und der Grund ist der Umfang.
Wer DAX-Optionsrisiko neutralisiert, tut das im FDAX-Future, einem der liquidesten Terminkontrakte Europas. Absicherungsvolumen, das in einer mittelgrossen Aktie den Kurs traegt, verschwindet dort im normalen Umsatz. Hinzu kommt, dass ein Index aus 40 Werten besteht: ein Vorlauf im Future uebertraegt sich ueber Arbitrage auf die Einzelwerte, und dieser Weg ist breit.
Was im Index tatsaechlich beobachtbar ist, ist der ruhigere Verwandte: ein Marktzustand, in dem die Absicherung mit der Bewegung laeuft statt gegen sie, und Ausschlaege deshalb weniger gedaempft werden. Das ist kein Ereignis, sondern ein Zustand, und er hat einen eigenen Namen, siehe Gamma Regime.
Wo der Uebergang zwischen beiden Zustaenden liegt, beschreibt Zero Gamma. Die Sprache des Aktienmarkts an dieser Stelle zu uebernehmen, legt eine Dramatik nahe, die die Mechanik im Index nicht hergibt.
Fuer die Darstellung im Cockpit folgt daraus eine bewusste Wortwahl: beschrieben wird der Zustand und nicht das Ereignis. Ein Zustand laesst sich aus Bestandsdaten begruenden, ein Ereignis nicht. Und ein Begriff, der Dramatik transportiert, die die Mechanik nicht hergibt, macht die Auskunft nicht praeziser, sondern nur lauter. Wo die Absicherung tatsaechlich anfaellt, beschreibt Hedging Flow.
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