Der Echtzeit-Hedging-Flow ist ein Live-Signal, das aus dem laufenden Optionshandel schätzt, wie viel Absicherung im Basiswert gerade nötig wird. Dazu wird für jeden einzelnen Optionstrade der Delta-Wert bestimmt und aufsummiert, woraus sich ergibt, ob der Fluss die Absicherer netto kaufen oder verkaufen lässt.
Damit ist er das Echtzeit-Gegenstück zu den statischen Levels. Ein Level wie der Deckel oder der Boden sagt, wo ein Effekt zu erwarten ist. Der Hedging-Flow zeigt, ob dort gerade tatsächlich Druck auf den Markt trifft. Nimmt am Deckel der verkaufende Fluss zu, ist der Widerstand bestätigt; bleibt er flach, ist das Level anfälliger.
Ein solches Signal braucht einen Echtzeit-Feed aller Optionstrades. Für die großen US-Indizes ist dieser Datenzugang verfügbar, für ODAX-Optionen auf den DAX ist er nicht ohne Weiteres zugänglich. Das Konzept ist übertragbar, ein Live-Flow für den DAX setzt aber eine eigene Datenquelle voraus, die über die täglichen Positionsdaten hinausgeht.
Der Hedging-Flow ist ein Timing- und Bestätigungswerkzeug, kein eigenständiges Signal. Er ergänzt die Levels, ersetzt sie nicht.
Absicherung ist kein gleichmaessiger Strom. Sie faellt in Schueben an, und die Zeitpunkte sind im DAX weitgehend vorhersehbar, weil sie am Handelskalender haengen und nicht am Marktgeschehen.
Der erste Schub liegt in der Eroeffnungsphase: ueber Nacht ist Zeit verstrichen (siehe Charm) und der Kurs hat sich gegenueber dem Schluss verschoben, beides muss nachgezogen werden. Der zweite liegt in der Schlussstunde und der Schlussauktion, in der ein grosser Teil des institutionellen Rebalancings stattfindet. Dazwischen ist die Anpassung deutlich duenner.
Am Monatsverfall kommt ein dritter hinzu: die Abrechnung entsteht aus der Xetra-Auktion ab 13:00 MEZ, und die Absicherung der auslaufenden Serie loest sich in diesem Fenster auf. Was danach an diesem Tag geschieht, hat mit ihr nichts mehr zu tun.
Wichtig ist, was daraus NICHT folgt. Die zeitliche Verteilung sagt, wann Anpassung anfaellt, nicht in welche Richtung sie wirkt. Die Richtung folgt aus der Struktur des Bestands und der Annahme zur Positionierung. Und keine dieser Groessen ist im Tagesverlauf gemessen: sie sind aus dem Abrechnungsstand des Vortags gerechnet.
Ein zweiter Punkt betrifft die Konzentration. Weil sich die Anpassung auf Eroeffnung, Schluss und die Auktionen buendelt, ist die Wirkung in diesen Fenstern groesser als ein ueber den Tag gemittelter Betrag nahelegt. Dieselbe Menge, verteilt ueber sieben Stunden, waere im Umsatz des FDAX kaum sichtbar; auf wenige Minuten konzentriert ist sie es eher. Das ist der Grund, warum die Tagesrandzeiten und die Schlussauktion in jeder Betrachtung von Absicherungsdruck eine Sonderrolle haben.
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