Call Wall und Put Wall sind einzelne Ausübungspreise, an denen sich besonders viel Optionsinteresse konzentriert. An diesen Strikes ist das Gamma so hoch, dass die Absicherung der Optionshändler dort einen spürbaren Effekt auf den Kurs hat.
Die Call Wall liegt oberhalb des aktuellen Kurses, dort, wo sich Call-Optionen häufen. Sie wirkt oft als Widerstand: Nähert sich der Kurs, verkaufen die Absicherer Basiswert und bremsen den Anstieg. Im DAX Gamma Cockpit trägt dieses Level den Namen Deckel.
Die Put Wall liegt unterhalb des Kurses, an der Konzentration von Put-Optionen. Sie wirkt oft als Unterstützung, weil die Absicherung dort kaufend eingreift. Im Cockpit heißt dieses Level Boden.
Die Wirkung entsteht aus der Menge an Gamma am jeweiligen Strike, nicht aus einer Linie im Chart. Solange das Optionsinteresse dort hoch bleibt, ist der Hedging-Effekt stark. Läuft ein Verfallstermin aus oder verschiebt sich die Positionierung, kann eine Wall über Nacht schwächer werden oder ganz verschwinden.
Dass eine Wall als Widerstand oder Unterstützung wirkt, ist eine beobachtete Tendenz, keine Garantie. Bricht der Kurs durch eine Wall, für die viel Absicherung nötig war, kann die Bewegung danach sogar beschleunigen, weil die Absicherer ihre Positionen schnell anpassen müssen.
Die Eurex legt ODAX-Strikes in festen Abstaenden auf, eng um das aktuelle Kursniveau und weiter draussen groeber. Das hat eine Folge, die viele fuer eine Marktaussage halten: Konzentrationen liegen fast immer auf glatten Zahlen, weil es dazwischen gar keine Kontrakte gibt. Eine Mauer auf einer runden Marke ist deshalb zuerst eine Eigenschaft der Kontraktarchitektur und erst danach eine Aussage ueber Positionierung.
Der zweite Punkt: eine Mauer ist keine Sperre. Was dort steht, sind offene Kontrakte, also Vertraege, die noch nicht geschlossen sind. Ihre Wirkung entsteht ausschliesslich mittelbar, ueber das Absicherungsverhalten derer, die sie geschrieben haben. Loest sich diese Absicherung auf, etwa weil der Verfall naeht oder Positionen glattgestellt werden, verschwindet die Wirkung, waehrend die Zahl im Diagramm noch dasteht.
Drittens die Frage, welcher Verfall zaehlt. Im ODAX liegt der weitaus groesste Bestand auf dem Monatsverfall am dritten Freitag. Eine Mauer, die aus dieser Serie stammt, verhaelt sich ueber Wochen anders als eine aus dem Tagesverfall, die morgens entsteht und abends nicht mehr existiert. Beide sehen im aggregierten Diagramm gleich aus. Das Cockpit weist deshalb den dominierenden Verfall gesondert aus, statt alle Serien zu einer Zahl zu verrechnen.
Fuer die Auswertung folgt daraus eine Reihenfolge. Zuerst die Frage, aus welchem Verfall die Konzentration stammt; dann, ob sie neu entstanden oder alt ist, was nur der Vergleich zum Vortag beantwortet; und erst dann die Frage nach der Wirkung. Wer bei der letzten Frage anfaengt, liest eine Saeule im Diagramm als Aussage ueber den Markt, obwohl sie eine Aussage ueber einen Kontraktbestand ist. Die Umrechnung von Bestand in Wirkung leistet erst das Gamma Exposure, und auch die nur unter der genannten Modellannahme.
Call Wall = Strike mit der größten Call-Gamma-Konzentration oberhalb des Referenzkurses; Put Wall = das Gegenstück auf der Put-Seite unterhalb. Basis ist das mit Gamma gewichtete Open Interest je Strike, nicht die reine Kontraktzahl.
Beide Marken entstehen börsentäglich aus dem gammagewichteten ODAX-Open-Interest des Vortags. Im Cockpit heißen sie Deckel und Boden; die Qualität der Marke wird zusätzlich bewertet.
Tagesaktuelle Werte auf der Level-Seite: DAX Gamma Levels heute.
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