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Glossar

Das gamma-gewichtete Put/Call-Verhältnis

Das gamma-gewichtete Put/Call-Verhältnis setzt das gesamte Call-Gamma ins Verhältnis zum gesamten Put-Gamma. Es ist eine Kennzahl für die Stimmung in der Optionspositionierung.

Anders als das klassische Put/Call-Ratio, das nur Kontrakte zählt, gewichtet diese Kennzahl das Open Interest mit dem Gamma. Damit erfasst sie nicht die reine Menge, sondern die tatsächliche Hedging-Relevanz einer Position. Steigt das Verhältnis, gilt das als eher zuversichtliches Signal, sinkt es, als eher vorsichtiges.

Wie man es liest

Scharfe Änderungen des Verhältnisses können auf einen Stimmungswechsel hindeuten, oft früher als das einfache Put/Call-Ratio. Am aussagekräftigsten ist die Kennzahl im Zusammenspiel mit dem Wendepunkt und dem Gamma-Regime.

Wie alle abgeleiteten Größen beruht sie auf einer Schätzung der Positionierung, nicht auf einer gemessenen Größe. Sie ist ein Stimmungsbarometer, kein exaktes Maß.

Ein Verhaeltnis mit strukturellem Ungleichgewicht

Das Verhaeltnis von Put- zu Call-Gamma wird oft als Stimmungsmass gelesen. Im europaeischen Indexmarkt ist das problematisch, weil ein dauerhaftes Ungleichgewicht bereits eingebaut ist: institutionelle Absicherung nach unten besteht als Grundnachfrage, unabhaengig von der Marktlage, siehe Volatility Skew.

Ein Verhaeltnis, das Puts staerker gewichtet, ist im DAX damit der Normalzustand und keine Aussage. Interpretierbar ist ausschliesslich die Abweichung vom eigenen Normalniveau ueber die Zeit, und das setzt eine Historie voraus, gegen die man den aktuellen Wert haelt. Ein Absolutwert ohne diesen Bezug ist nicht lesbar.

Der zweite Punkt betrifft die Vermengung von Laufzeiten. Gamma ist bei kurzen Restlaufzeiten am groessten. Ein Verhaeltnis, das ueber alle Verfaelle summiert, wird deshalb von den naechsten Serien dominiert, und diese aendern sich um jeden Monatsverfall herum grundlegend. Ein Sprung im Verhaeltnis am dritten Freitag ist dann kein Stimmungsumschwung, sondern die Folge des Verfalls, siehe ODAX-Verfall. Das Cockpit weist den dominierenden Verfall deshalb getrennt aus.

Fuer die Darstellung folgt daraus, dass ein solches Verhaeltnis ohne Historie und ohne Trennung nach Verfall keine sinnvolle Auskunft gibt. Beides zusammen ist Aufwand, und beides zusammen ist der Unterschied zwischen einer Kennzahl und einer Zahl.

Ein dritter Punkt kommt hinzu: das Verhaeltnis gewichtet nach Gamma und nicht nach Kontraktzahl. Ein einzelner Strike nahe am Geld und kurz vor Verfall kann das Ergebnis staerker praegen als hunderte Kontrakte weit draussen. Das ist gewollt, weil die Absicherungswirkung genauso verteilt ist, macht die Kennzahl aber empfindlich gegen einzelne Positionen, siehe absolutes Gamma. Ein Absolutwert ohne Historie und ohne Trennung nach Verfall ist damit nicht interpretierbar, egal wie genau er gerechnet ist.

Verwandte Begriffe
Gamma Exposure (GEX)Gamma-Regime (positiv/negativ)Absolutes GammaDealer-Netto-Positionierung
In der Praxis
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