Ein Verfallstag-Diagramm stellt das Open Interest je Ausübungspreis für den kommenden Optionsverfall dar. Aus der Verteilung von Calls und Puts lässt sich ablesen, um welche Kurse Käufer und Verkäufer zum Verfall ringen. Vier Mal im Jahr, am dritten Freitag der Quartalsmonate, fällt dieser Verfall mit dem großen Verfall (Hexensabbat) zusammen, an dem Futures und Optionen gleichzeitig auslaufen.
Bekannt wurde die Darstellung im deutschsprachigen Raum durch ein bekanntes Verfallstag-Diagramm. Dieses ist inzwischen außer Betrieb, wodurch für den DAX eine Lücke entstanden ist: eine einfache Ansicht des Open Interest zum Verfall fehlt vielen Tradern seitdem.
Das DAX Gamma Cockpit zeigt dieselbe Grundidee, geht aber darüber hinaus. Statt nur die Momentaufnahme des Open Interest zu zeigen, berechnet es daraus die Gamma-Exposure-Landschaft: Call Wall, Put Wall und den Wendepunkt, dazu den Marktmodus, der sagt, ob Bewegungen gedämpft oder verstärkt werden. So sieht man nicht nur, wo die Positionen liegen, sondern auch, was daraus mechanisch folgt.
Die Levels beruhen auf offiziellen Eurex-ODAX-Daten und werden jeden Handelstag vor Handelsbeginn aktualisiert. Es ist eine Orientierung aus der Optionspositionierung, keine Prognose.
Das klassische Verfallstagsdiagramm zeigte die Verteilung der offenen Kontrakte auf die Strikes des naechsten Monatsverfalls. Es war jahrelang die einzige frei zugaengliche Darstellung dieser Art fuer den DAX, und es hatte zwei Eigenschaften, die zu seiner Zeit unproblematisch waren und es heute nicht mehr sind.
Erstens der Zeitbezug: es bildete den Monatsverfall ab. Als der ODAX praktisch nur Monatsserien hatte, war das vollstaendig. Seit es Wochen- und Tagesserien gibt, ist es ein Ausschnitt, siehe Tagesoptionen. Zweitens die Aussage: es zeigte, WO Kontrakte liegen, nicht, welche Wirkung deren Absicherung hat. Dieselbe Kontraktzahl bedeutet an verschiedenen Strikes und Restlaufzeiten sehr Verschiedenes.
Beides ist der Grund, warum das Cockpit die Idee weiterrechnet, statt sie nachzubauen: aus demselben Eurex-Bestand entstehen die Griechen je Strike, daraus das Gamma Exposure und daraus konkrete Kurslevels. Die Verteilung bleibt sichtbar, sie ist nur nicht mehr das Ergebnis, sondern der Ausgangspunkt.
Was gleich geblieben ist: die Datenquelle. Auch hier ist es das Open Interest der Eurex, einmal taeglich nach der Abrechnung festgestellt.
Fuer die Einordnung gehoert dazu, dass die Grundidee richtig war und es geblieben ist: der Bestand offener Kontrakte je Strike ist eine oeffentlich verfuegbare, taeglich aktualisierte Information ueber die Struktur des Marktes, und sie steht sonst kaum jemandem zur Verfuegung.
Was sich geaendert hat, ist der Markt darum herum. Mehr Verfaelle, mehr kurzlaufende Serien, und damit die Notwendigkeit, nach Verfall zu trennen statt zu summieren. Und der Anspruch an die Auswertung: aus der Verteilung die Wirkung zu rechnen statt sie dem Leser zu ueberlassen, siehe Dealer-Hedging.
Die tägliche Umsetzung der Idee: Open Interest je Strike aus den Eurex-ODAX-Daten — alle Verfälle aggregiert, Strikes auf 100er-Marken gebündelt — dazu die daraus abgeleiteten Marken. Die vollständige Tagesansicht: DAX Verfallstagsdiagramm.
Der vertraute Aufbau des klassischen Verfallstag-Diagramms: Strikes auf der Y-Achse, je Strike die offenen Call- und Put-Kontrakte nebeneinander — alle Verfälle aggregiert, Strikes auf 100er-Marken gebündelt. Wo sich das Open Interest ballt, entstehen die Level: die größte Put-Konzentration wirkt als Boden (Put Wall), die größte Call-Konzentration als Deckel (Call Wall).
Live-Levels, Marktmodus und Absicherungsdruck in Echtzeit, aus echten Eurex-ODAX-Optionsdaten.
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